Gartenbau im Stadtgebiet – Chance und Herausforderung
Unsere Städte werden langsam ungemütlich! Aufgrund von laufenden Klimaveränderungen wird es immer wärmer – was gerade in Stadtgebieten wie Zürich besonders spürbar ist. Beton und Asphalt speichern die ganze Sommerhitze und kühlen auch nachts nicht mehr richtig ab. Dazu kommt immer mehr Verkehr mit immer mehr Abgasen und immer mehr Lärmbelastung. Um dem entgegenzuwirken, gibt es zahlreiche kreative Lösungen. Erfahren Sie hier, was Stadtbewonner:innen – neben der allerwichtigsten Massnahme – alles tun können.
In Grossstädten (z. B. Zürich) ermöglicht ein professioneller urbaner Gartenbau Naherholungsgebiete, wie z. B. ein Stadtpark.
Tatsachen, die wir ungern hören
Für manche von uns mag es lästig klingen, doch mit unserer Lebensweise schaden wir unsere Erde zusehends – und das nicht erst seit gestern oder vorgestern. Begonnen mit der Industrialisierung, gefolgt vom stetigen Wirtschaftswachstum, angeheizt durch immer mehr Werbung, die erst Bedürfnisse schafft, um sie anschliessend erfüllen zu wollen. Um mit alldem mithalten zu können, rackern wir uns ab, und versuchen uns dann mit Dingen zu trösten, die jedoch oft am falschen Ort ansetzen.
Lange waren die Auswirkungen unseres Lebensstils nicht so offensichtlich oder konnten erfolgreich abgetan werden.
Städtische Gebiete besonders betroffen
Beispielsweise die Abgase aus Produktion, Logistik und Personenverkehr oder die Zunahme von Krankheiten wie Allergien, Stresserkrankungen (dazu gehören unter anderem Herz/Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, diverse psychische Leiden) etc. Doch unterdessen sind viele Folgeerscheinungen nicht mehr von der Hand zu weisen.
Das mag vielleicht pessimistisch klingen, ich erachte es jedoch als Tatsache, dass es – vor allem in städtischen Gebieten – nicht mehr so wirtlich ist.
Wie können wir das Stadtklima verbessern? Ein Beispiel in der Stadt Zürich.
Kann man eh’ nichts machen? Gefällt mir gar nicht! Und stimmt das überhaupt? Was in eine Richtung funktioniert, funktioniert in der Regel auch in die andere. Das hat stark mit entsprechend gesetzten Zielen zu tun.
Wo wollen wir hin? Wie könnten wir unser Stadtklima verbessern, wenn wir denn wollten? Ein eindrückliches Beispiel dafür finden wir in der Stadt Zürich. Um die Lärmbelastung auf dem Autobahnabschnitt Zürich-Schwamendingen zu reduzieren, wurde eine Einhausung mit darauf liegendem Ueberlandpark gebaut.
Die Autobahn wurde überbaut und sozusagen künstlich eingetunnelt und die entstandene Fläche mit 60’000 Stauden und 490 Bäumen begrünt.
So entstand – nebst der erheblichen Lärmreduktion – ein Ort der Begegnung und Erholung für Mensch und Tier.
Verkehrte Welt? Unten Verkehr, oben Biodiversität
Unter der Einhausung der ständige Verkehr, darüber ein wahres Paradies für Insekten, Echsen und Vögel. Aufgrund eines durchdachten Gesamtkonzepts wurden diverse Ökostrukturen angelegt, wo sich die verschiedensten Lebewesen vermehren und gegenseitig unterstützen können:
Pflanzen, die fast das ganze Jahr über blühen und diverse Nahrungsquellen bieten, Totholzbereiche als Unterschlupf, Steinhaufen als Verstecke und Sandflächen als Nistmöglichkeiten für Wildbienen.
Die zahlreichen Bäume spenden Schatten, weitere Nahrung und Nistmöglichkeiten und die sich darunter befindenden Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein.
Die GGZ Gartenbau AG ist an diesem zukunftsträchtigen Projekt beteiligt gewesen. Mehr Infos hier.
So sollte es meiner Meinung nach überall gehandhabt werden, so sollte es doch sein: eine wertvolle Begegnung mit der Natur mitten im Stadtgebiet!
Gartenbau in der Stadt: begrenzten Raum so gut wie möglich nutzen
Begegnungen mit der Natur bedeutet immer ein Stück Lernen
Der Überlandpark auf der Einhausung Zürich-Schwamendingen ist auch ein Raum für Lernende aus dem Gebiet Gartenbau, wo sie die Natur hautnah erleben und ihr theoretisches Wissen mit realen Eindrücken ergänzen können. Denn die Auszubildenden müssen nicht nur die verschiedenen Pflanzenarten erkennen und benennen können, sondern ebenso über deren Standortansprüche Bescheid wissen. Dafür bietet eine reale Begegnung die beste Möglichkeit.
Lerneffekt für Lernende und Stadtbewohner
Auch viele Stadtbewohner werden mehr und mehr zu Lernenden. Erwiesenermassen können wir uns nämlich nicht vorstellen, was wir nicht mit einem unserer eigenen Sinne erlebt haben. Und je mehr Sinne an einer Sache beteiligt sind, desto höher ist der Lerneffekt.
Je länger wir uns also in städtischer Umgebung aufhalten, je weniger wir mit der Natur in Berührung kommen, desto mehr verlieren wir auch die Beziehung zu ihr.
Den Wert der Natur wieder erkennen
Desto mehr kann sie uns auch egal werden. Solange unser Menuplan stimmt, natürlich. Solange wir grosszügig aussuchen können, was uns schmeckt. Und wer ist für die Supply-Chain unserer Nahrungsmittel zuständig, für die reibungslose Lieferkette? Dazu gehört ganz viel Infrastruktur, die durch ganz viele Menschen am Laufen gehalten wird, letztendlich ist es jedoch die nackte Natur, die unsere Nahrung hervorbringt.
Das kann jetzt wie ein erhobener Zeigefinger aussehen. Ich gebe es zu, es ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Denn ich bin überzeugt:
Wenn wir wieder mehr Bezug zur Natur bekämen, würden wir gewisse – vielleicht sogar globale – Probleme anders lösen wollen. Auf eine ganz natürliche Weise. Im realen wie im übertragenen Sinn.
Sichtschutz – am besten ein natürlicher – ist in städtischen Gebieten sehr wichtig
Biodiversität mitten im Stadtgebiet
Wir alle können an dem Platz und in der Position starten, an denen wir uns gerade befinden. Unser Balkon bzw. Garten kann beispielsweise zu einem kleinen Naturparadies werden. Pflanzen und Tiere brauchen Wasser und Nahrung und eine Umgebung, wo die gedeihen können.
Die Natur ist durch und durch vernetzt. Deshalb ist es wichtig, dass Grünflächen die ganze Stand durchziehen wie ein Netzwerk.
Ruderalflächen als pflegeleichte Naturareale
Bepflanzte Flächen haben – im Gegensatz zu asphaltierten bez. betonierten Flächen – die natürliche Eigenschaft, Regenwasser zu speichern.
Durch diesen simplen Wirkungsmechanismus bleibt das Mikroklima der näheren Umgebung automatisch kühler, was an heissen Sommertagen eine Wohltat ist. Überhaupt fühlt sich die Atmosphäre frisch und lebendig an.
Wo eine aufwändige Bepflanzung und Pflege nicht möglich oder gewünscht ist, bieten sich sogenannte Ruderalflächen als optimale Lösung an, um einen Standort mit minimalem Aufwand ökologisch aufwerten. Beispielsweise an Wegrändern, Böschungen, Verkehrsinseln etc.
Ruderalflächen sind sogenannte Pionierstandorte, auf denen sich der Bewuchs von Jahr zu Jahr verändert.
Pflege der Ruderalflächen
Pflege benötigen Ruderalflächen wenig, ausser, dass man gewisse, stark wuchernde Pflanzen begrenzt, damit sie nicht zu stark dominieren und mehr Artenvielfalt gedeiht. Was auf jeden Fall umgehend entfernt werden sollte, sind invasive Neophyten. Link dazu. ?
Ruderalflächen finden sich auch immer öfter beispielsweise vor Bankfilialen, auf Firmengelände oder in Wohnsiedlungen.
Wer mit dem Umschwung nicht zu viel Aufwand betreiben möchte, muss nicht zwangsläufig auf einen sterilen und hitzespeichernden Schottergarten zugreifen. Pflegeleichte Ruderalflächen sind ein Stück lebendige Natur!
Fazit
Das Klima von Städten kann mit verschiedenen Mitteln beeinflusst werden. Positiv wie negativ. Wie wir bereits gesehen haben, tragen Pflanzen und Tiere massgeblich dazu bei, Abgas und Lärm etwas entgegen zu setzen und unsere Städte lebenswert zu erhalten. Auf dem kleinsten Fleck lässt sich ein Stück Natur ansiedeln.
Noch besser orientieren wir uns am Motto:
Schadstoffverminderung gehört an die erste Stelle!
Vermeiden wir Schadstoffemissionen mit all unseren Möglichkeiten.
Zur Vertiefung: Luftschadstoffe gefährden nicht nur die Gesundheit von Menschen und Wäldern, sondern stören auch die Kommunikation zwischen Pflanzen und Insekten, die vom Blütenduft angelockt den Gewächsen bei ihrer Vermehrung helfen. So das Tagblatt am 27.02.2024.
haus-planen.ch, 20.1.2026, Tabea Räber
Autorin
Tabea Räber, Texterin, u. a. bei haus-planen.ch, Wohnungsbesitzerin, Hobbygärtnerin





