Baukontrolle – was alles dazugehört
Wo gehobelt wird, fliegen Späne. Beim Schreinern ganz logisch – und im übertragenen Sinn gilt diese Tatsache auch beim Bauen generell. Auch logisch! Für Bauherren wie Handwerker, Laien wie Experten. Doch was geschieht, wenn es – zum Beispiel bei einem Umbau – zu mehr als nur Spänen, sprich zu grösseren Unannehmlichkeiten kommt? Zu Baumängeln oder gar Bauschäden? Und was bedeutet der Begriff Bautoleranz? Erfahren Sie hier, wie Sie Bauschäden frühzeitig verhindern können.
Die Themen im Überblick:
Warum Baukontrolle wichtig ist und was alles dazugehört
«Das liegt in der Bautoleranz…»
… sagt nicht selten der Handwerker, die Architektin oder der Generalunternehmer bei der Bauabnahme. Beispielsweise dann, wenn Sie sich unbändig auf ihr neues Zuhause freuen und beim gemeinsamen Begehen der neuen Wohnung zwischen Fussleiste und Wand eine unschöne Lücke erkennen oder der Backofen ein Stückchen aus der Küchenfront herausragt. Okay? Bautoleranz … ExpertInnen müssen sie es ja schliesslich wissen.
Wenn eine Sache niegelnagelneu ist, ist man vielleicht etwas zu heikel, möchte alles am liebsten ganz perfekt haben. Und man will ja nicht pingelig sein … Doch gerade bei einer Bauabnahme ist ein gesundes Misstrauen nicht falsch.
Jeder Branchenverband hat eigene Richtlinien zur Bautoleranz
Nicht immer geht es nur um eine schöne Optik. Gewisse Baumängel – und diese springen sehr häufig gar nicht ins Auge – können sich zu massiven, langwierigen und nervenaufreibenden Bauschäden entwickeln. Doch zurück zur Bautoleranz: Entsprechende Recherchen zur Überprüfung gemachter Aussagen können sich sehr aufwändig gestalten, denn jeder Branchenverband hat seine eigenen Richtlinien. Hätte man jetzt bloss eine aussenstehende fachkundige Person an der Seite …
Was bedeutet Bautoleranz genau?
Unter dem Begriff Bautoleranz verstehen sich die zulässigen Abweichungen von den festgelegten Massen oder Spezifikationen eines Bauwerks. Dass die festgelegten Masseinheiten eingehalten werden – bis eben auf die entsprechende Bautoleranz – ist wichtig, damit ein Gebäude oder eine Struktur funktional und sicher sind. So werden Probleme vermieden, die durch ungenaue Messungen oder Ausführungen entstehen können. Und das ist vielleicht schneller der Fall als einem lieb ist.
Auf einer Baustelle eilt es immer ein bisschen: BauherrInnen können ungeduldig sein, das Wetter kann übel mitspielen, eine Lieferung verzögert sich etc. und schon entsteht Zeitdruck, was erfahrungsgemäss schnell auf Kosten der Genauigkeit geht.
Bautoleranzen finden in den verschiedensten Bereichen Anwendung, begonnen beim Fundament über Wände und Decken bis zum Dach. Dito beim Innenausbau: Bodenbeläge, Fenster, Türen und der Installation sämtlicher Bauelemente.
Klein aber oho
Bereits kleine Abweichungen können grosse Auswirkungen nach sich ziehen. Zu Beginn oft unsichtbar, für Laien sowieso – und so nimmt die Physik ihren natürlichen Lauf.
Die Physik ist absolut verlässlich, denn sie folgt stur den für sie festgelegten Bahnen. Werden die jeweiligen Toleranzen eingehalten, haben wir sie als starken Partner auf unserer Seite. Wenn nicht, arbeitet sie rigoros gegen uns. Wie bei dem berühmten Riss der Staumauer. Dafür kann ihr niemand etwas vorwerfen. Sie macht zuverlässig ihren Job. Wer schuld ist, wenn ein Schaden entsteht, ist eine andere Frage. Plus die, wer die anschliessenden Kosten trägt. Deshalb:
Bei der Baukontrolle genauer hinsehen mit der Hilfe eines professionellen Bauberaters
Bauabnahme immer mit detaillierter Checkliste!
Bei einer Bauabnahme – sei es beim Bau, Umbau oder Kauf einer Wohnung bzw. einer Immobilie – übernehmen Käufer bzw. Bauherrin sämtliche Rechte und Pflichten des entsprechenden Objekts.
Die Übernahme dieser Verantwortung will gut überprüft sein. Also wird das gesamte Bauwerk begangen und genauestens kontrolliert. Innen und aussen. Jeder Raum, jede Installation, jede Leitung, jedes Gerät. Deshalb keine Bauabnahme ohne detaillierte Checkliste! Eine seriöse Bauabnahme geschieht besser nicht nur so nebenbei und sie erfordert gewisse Fähigkeiten. Vorteilsweise auch fachliche.
Wie prüft beispielsweise ein Laie, ob ein Unterlagsboden genügend ausgetrocknet ist? Eine Fassade oder Decke einwandfrei erstellt? Viele Dinge und Details bleiben einem ungeschulten Auge unweigerlich verborgen.
Daher kann sich für eine Bauabnahme ein unabhängiger Bauexperte bzw. Bauberater sehr lohnen. Erfahrene BauexperInnen wissen genau, wo hinschauen, wo die neuralgischen Stellen liegen. Sie kennen die Branche, die Architekten und Handwerker, die örtlichen Gegebenheiten, die jeweils geltenden Richtlinien und sind sich ihrer Sache sicher. Sie lassen sich kein V als U vormachen.
Bauexperten erkennen auch versteckte Mängel und haben die Kompetenz, für das Recht des Bauherrn/der Käuferin einzustehen – und es mit den nötigen Mitteln auch durchzusetzen.
Durch gezielte Baukontrollen Schäden frühzeitig verhindern
Ebenso ist es nicht falsch, die neuralgischen Stellen bereits im Verlauf des Bauprozesses gezielt zu überprüfen. Visuell oder mithilfe von Messgeräten. Zum Beispiel durch eine Rohbaukontrolle.
Der Unterlagsboden wird im Verlauf des Bauprozesses zugedeckt und befindet bei der Bauabnahme bereits unter dem Radar.
Falls er nicht trocken war, erkennt man dies erst ein paar Wochen oder Monate später. Wenn sich die Paneele des Parkettbodens zu biegen beginnen oder es irgendwo schimmelt. Und eine Sanierung ansteht, mit dem entsprechenden Umtrieb, ganz zu schweigen von den Kosten, die heftig ins Geld gehen können. Das Gleiche bei gilt für undichte Stellen in der Gebäudehülle, in den Nasszellen oder einer der vielen Abdichtungen (Fenster, Fassadenkonstruktion, Gebäudesockel etc.). Wasserschäden gehören zu den prozentual höchsten Vertretern von Bauschäden.
Durch gezielte Kontrollen während des Bauprozesses können fehlerhafte oder heikle Stellen rechtzeitig entdeckt, instand gestellt und kostspielige Folgeschäden verhindert werden.
Der Unterlagsboden wird im Verlauf des Bauprozesses zugedeckt und befindet bei der Bauabnahme bereits unter dem Radar
Lohnt sich die Investition in einen Bauberater?
Manchmal ist es tatsächlich sinnvoll, Geld auszugeben, um Geld zu sparen. Beim Thema Krankenkasse ist das keine Frage. In der Schweiz ist diese Art von Versicherung sogar obligatorisch. Man investiert, um bei einem Ernstfall wirkungsvoll unterstützt zu werden.
Beim Bau bzw. Kauf einer Wohnung oder Immobilie verhält es sich ähnlich. Mit dem grossen Unterschied, dass die meisten Ernstfälle damit sogar verhindert werden können.
Ein professioneller und erfahrener Bauberaten prüft systematisch die Bauqualität auf der Baustelle. Der Gebäudehülle wie den Nasszellen gilt dabei ein besonderes Augenmerk. Ebenso kontrolliert er zur rechten Zeit, ob die ausgeführten Arbeiten den Planunterlagen entsprechen und die Baunormen eingehalten werden.
So werden Mängel an Ort und Stelle aufgespürt und fotografisch festgehalten. Bei diesem Vorgehen kann zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf die Verantwortlichen zugegangen und der Schaden behoben werden. Bevor er sich zu einem weitreichenden Problem auswachsen kann.
Fazit
Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Wo unter Stress gearbeitet wird, entsprechend mehr. Auch und gerade beim Bauen. Werden bei einer Bauabnahme Fehler übersehen bzw. verschwiegen, kann das zu nervenaufreibenden Bauschäden mit sehr hohen Kosten führen. Als Bauherr bzw. als Käuferin steht man als Laie in solchen Situationen in einer eher schwachen Position. Daher kann es sich wirklich lohnen, einen unabhängigen professionellen Bauberater beizuziehen, um einen fachkundigen und starken Partner an seiner Seite zu haben. Für alle Fälle. Etwas Geld ausgeben, um unter Umständen viel Geld (und zeitaufwändige Umtriebe) zu sparen.
© haus-planen.ch, 26.9.2025, Tabea Räber
Autorin
Tabea Räber, Texterin, u. a. bei haus-planen.ch, Wohnungsbesitzerin, Hobbygärtnerin















